Nun ist es also soweit, das “totale Rauchverbot” in Bayern wurde durch Volkes Wille durchgesetzt. Aber, es drängen sich für den Menschen mit Verstand sofort einige Fragen auf. Zum ersten und drängendsten: war das wirklich der Wille des Volkes, also qua democratia der Wille der Mehrheit? Weiterhin muß gefragt werden, ob hier wirklich der Nichtraucherschutz im Vordergrund steht, oder ob sich hier lediglich eine kleine Randgruppe von Egozentrikern hervorgetan hat um ihre eigenen Interessen zu bedienen. Und drittens stellt sich dem aufmerksamen Beobachter des gesellschaftlichen Zusammenlebens die Frage, was das Gutmenschentum wohl als nächstes für eine Frechheit ausbrüten mag, um ihre Vorstellung von Moral der Allgemeinheit aufs Auge zu drücken.

 

 

Dem Leser ist es bis hierhin sicher nicht entgangen: ich bin ein Gegner dieses Volksentscheides, und zwar ein entschiedener! Meiner Meinung nach ist es unnötig, jede Kleinigkeit des täglichen Zusammenlebens per Gesetz zu regeln und damit Gruppen, die anderer Meinung sind, schlicht zu unterdrücken. So ist der Volksentscheid schlicht auf einer Kampagne begründet, was die Initiatoren auf ihrer Internetseite auch selbst zugeben. Ein Blick auf diese Seite offenbart auch auch den Kopf der Bewegung und ohne dem Herrn zu nahe treten zu wollen, so wird meiner Ansicht nach von dieser Seite sicherlich noch mehr kommen, nur nichts Gutes.

Kommen wir nun zur ersten Frage: ist diese Entscheidung wirklich Volkes Wille? Herr Frankenberger brüstet sich mit dem Satz “Wir haben mit 61% gewonnen.” Nun, dies liefert die unterschwellige Botschaft, in Bayern wären 61% der Bürger für die Ziele der Nichtraucherbewegung. Das ist aber schlicht falsch und Augenwischerei! Tatsächlich haben lediglich überhaupt knapp 38% der Bürger ihre Stimme zu diesem Thema abgegeben, was im Umkehrschluß bedeutet, daß die ganze Kampagne 62% der Bayern schlicht scheißegal ist. Auch wenn für einen Volksentscheid kein Mindest-Quorum vonnöten ist, sprechen doch schon alleine diese Zahlen eine deutliche Sprache: von der Mehrheit der Bürger kann im Folgenden in keinster Weise ausgegangen werden! Mal kurz eben richtig und effektiv nachgerechnet ergibt sich, daß im Bezug auf allen stimmberechtigten Bürger gerade mal rund 22% für das “totale Rauchverbot” eintreten. Ergo: mehr als dreiviertel der Bevölkerung ist die Frage schlicht egal oder sie sind dagegen. Eine klare Minorität setzt also ihren Willen durch hat dann auch noch die Frechheit, euphemistisch von einem Sieg der Vernunft, ausgedrückt durch Willensbekundung des Volkes zu sprechen. Mein lieber Mann, so habe ich die Prinzipien der Demokratie, die sich auf den Willen der Majorität stützen, aber nicht verstanden. Was ich hier eher sehe, ist eine saubere Lobbyarbeit einer kleinen Randgruppe – mehr aber auch nicht. Und so ehrlich sollte man schon sein, das auch zuzugeben.

A propos Ehrlichkeit: hier landen wir gleich bei der zweiten Frage. Ist das Ziel wirklich der Schutz des Nichtrauchers? In meinen Augen gemahnt mich die ganze Kampagne eher an das Verhalten eines bockigen Kleinkindes, das genau da rein will, wo es nicht rein darf. Tatsache ist doch, daß auch in Bayern schon seit 2009 in den allermeisten Cafes und Kneipen nicht mehr geraucht wird, in Restaurants ohnehin nicht. Die Lokalitäten, wo es ausnahmsweise noch erlaubt war, waren entsprechend gekennzeichnet und/oder als Clubs deklariert – die Nichtraucherlobby hatte also ihr vormals eheres Ziel ohnehin schon erreicht. Aber das reichte natürlich nicht: man wollte auch in diese Lokalitäten hinein und so mußte als fadenscheinige Begründung eben der gesundheitliche Schutz des Personals herhalten. Daß dieses Personal bei Arbeitsaufnahme genau wußte und weiß, wie die Arbeitsstelle gestaltet ist, schert die Gutmenschen natürlich nicht. In ihrer gnadenlosen Egozentrik wollen sie ihre guten Taten auch da verbreiten, wohin sich die anderen, die Bösen, quasi als letztes Refugium zurückgezogen haben. Selbst vor offiziell als Raucherclub deklarierten Örtlichkeiten machen sie nun nicht mehr Halt, obwohl sie selbst dort ohnehin nie einen Fuß hineinsetzten würden und wollten. Hauptsache, und das ist der eigentliche Grund des Unterfangens, Raucher werden als böse und moralisch bankrotte Egoisten gebrandmarkt, die sich ja grundsätzlich einen Dreck um ihre Umwelt scheren und sowieso alles rücksichtlose Egomanen sind. Hetzen auf BLÖD-Zeitungsniveau.

Wäre ich so ein militanter Nichtraucher und würde wirklich aus dem Grunde meines Herzens die Umwelt vor den bösen Luftverpestern schützen wollen, müßte ich eigentlich wo ganz anders anfangen. Nicht die Passivraucher in den Kneipen sind wirklich gesundheitsgefährdet, denn die haben immer den freien Willen sich umzusetzen oder den Wirt einer solchen “Stinkerbude” durch ihre Abwesenheit finanziell abzustrafen. Dumm nur, daß es den Wirt nicht interessiert, da die Raucher wohl mehr Geld in der Kneipe lassen. Nein, wenn ich mich wirklich kümmern will, muß ich bei denen anfangen, die null Chance haben, dem Passivrauch zu entkommen: Babys im Mutterleib. Es ist schon verwunderlich, daß nicht eine dieser Gutmenschen-Lobbyisten bis dato einen Volksentscheid eingebracht hat, das Rauchen für werdende Mütter unter empfindliche Strafe zu stellen. Umsetzen könnte man dies im Denunziantenstaat Deutschland sicherlich leicht. Wer eine Schwangere beim Rauchen erwischt, zeigt sie an. Sie muß dann eine hohe Geldstrafe zahlen und wird bis zur Niederkunft unter ärtzliche Beobachtung gestellt, auf eigene Kosten. Kann sie nicht zahlen, muß sie nach der Geburt entsprechend zwangsweise soziale Arbeit ableisten. DAS wäre in der Tat mal eine unterstützenswerte Initiative, nicht? Ach, ihr denkt, damit gehe ich zu weit? Nicht doch; wenn schon militanter Gutmensch, dann aber auch in aller Konsequenz. Wenn ich schon die persönliche Freiheit einzelner Gruppen drastisch beschneide, dann aber auch richtig. Mit Kleingikeiten wollen wir uns da nicht mehr aufhalten, sondern packen das Übel gleich an der Wurzel.

Zuletzt: was mag uns die Zukunft der diktatorischen Gutmenschenherrschaft noch bringen? Der Verzehr von Fleisch wird ja schon öffentlich als klimaschädigend gebrandmarkt. Herrlich übrigens, welch hanebüchene Vergleiche hier für völlig zusammenhanglose Schlußfolgerungen herangezogen werden. Daß die Vegetarier und Veganer auf diesen Zug aufspringen war logisch und vorhersehbar. Nun kann man auch hier polemisieren: Vegetarier essen meinem Essen das Essen weg oder anders gesagt, Vegetarier entziehen der Tierwelt die Nahrungsgrundlage, indem sie deren Fressen wegessen. Aber das haben sie bisher sicherlich nur übersehen, oder? Und die Veganer? Dürfen die eigentlich Oralverkehr haben oder unterscheidet sich tierisches und menschliches Eiweiß überhaupt? Ist der Mensch an sich nicht bloß auch ein Tier? Nun, darüber sollen sich die entsprechende Philosophen die Köpfe einschlagen, mir ist diese Thematik grundsätzlich zu blöd. Was kommt aber nach dem Fleischverbot? Wenn die Nichtraucher und die Vegetarier sich durchgesetzt haben, steht der Weg für jeden Pseudomoralisten offen, sein Weltbild dem Rest des Volkes aufs Auge zu drücken. Raucher sind Dreckschweine, Fleischfresser (natürlich auch die tierischen) sind Mörder, Autofahrer sind unverantwortliche Luftzerstörer, Computerspieler alles potentielle Amokläufer (und laut Beckstein und Hermann auch pädophile Triebtäter), Horrorfilmaficionados sind kranke und verdrehte Bastarde, Heavy-Metal Fans ohnehin alles Teufelsanbeter, Heterosexuelle sind verklemmt und prüde, Teenager, die Sex haben, moralische Unterwesen und überhaupt ist jeder, der anderen Hobbies frönt als ich oder andere Ansichten hat, ein egoistischer Dummkopf den ich unbedingt vor sich selbst schützen muß, koste es, was es wolle – auch wenn ich ihn dafür einsperren muß.

Leben und leben lassen heißt die Devise, Herrschaften. Die ganze Welt in Watte packen zu wollen ist nicht nur ein Irrglaube sondern schon gefährlich dumm und dreist obendrein. Laßt die Leute ihr Ding machen und wenn es euch nicht gefällt, dann geht weg oder seht nicht hin. Und wer jetzt glaubt, ich bezöge dieses Statement auch auf Kapitalverbrechen, der hat den Text komplett nicht verstanden oder nicht richtig gelesen. In diesem Fall kann ich nur sagen: für eure Dummheit oder eure Weigerung, das Hirn zu aktivieren, könnt ihr mich nicht verantwortlich machen. Und wenn euch das nicht gefällt, tja…

 

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