Hört her, hört her – es weihnachtet sehr. Passend dazu erleben wir das alljährliche Wetter”chaos”, was uns immer wieder aufs Neue verwundert; schließlich kann ja nun wirklich kein Mensch damit rechnen, daß es im Winter auch mal schneit!

 

 

Dies bringt mich zu den winterlichen Pflichten des gemeinen Bürgers, die sogenannte Schneeordnung. An sich schon ein Euphemismus, wenn man das Wort mal in seine Bestandteile zerlegt, ist jedes Jahr aufs Neue der Streitpunkt wo die Grenze zwischen Notwendigkeit und Sicherheit liegt. Der geneigte Leser kennt das: die Gemeinde verpflichtet den Bürger vor seinem Haus bzw. Grundstück den Schnee zu beseitigen oder zumindest soweit zu räumen, daß ein gefahrloses Passieren der Passage durch Passanten gewährleistet ist. Soweit, so bürokratisch.

Nun beauftragen nicht wenige einen Winterdienst oder einen Hausmeister mit dieser doch recht lästigen Aufgabe; hat man morgens nach heftigem Schneefall doch genug damit zu tun, das eigene Auto freizuschaufeln um rechtzeitig in die Arbeit zu kommen. Und wer hat nach einem nervigen, anstrengenden Arbeitstag schon noch groß Lust den mittlerweile schwer gewordenen Pappschnee zu beseitigen? Salzstreuen ist ja desöfteren aus vorgeschobenen Umweltschutzgründen in vielen Gemeinden verpönt oder gar verboten; dann schon lieber mit Sand viel Dreck erzeugen (bringt zwar Null, ist aber angeblich umweltfreundlich) oder gar Splitt streuen (bringt auch Null, hinterläßt nur jede Menge Dreck und ist auch nicht gerade ungefährlich). Also soll man im Schweiße seines Angesichts mit der Schneeschaufel die weiße Pracht irgendwie aus dem Weg räumen. Nur – und das ist der Punkt – wohin mit dem Zeug?

Gerade Hausmeister und private Schneeräumdienste sind dazu übergegangen, mit einer Art Kehrmaschine nur noch einen Laufstreifen freizuschaufeln, der gerade breit genug für den obligatorischen Kinderwagen oder Rollstuhl ist. Das mag in puncto Effizienz sogar in Ordnung sein. Das Problem dabei ist, daß der beiseite gefegte Schnee nur allzu oft die parkenden Autos trifft oder sorgsam um sie herum verteilt wird. Wer dann mit seinem Auto wegfahren will, hat erstmal die sprichwörtliche Arschkarte gezogen. Mir z.B. geht es genau so. Ich wohne in einem Mehrparteienhaus, in dem dreiviertel der Mieter die Schneeräumpflicht extern delegiert haben. Nur noch ein Mitmieter und ich schaufeln selbst. Direkt vor unserem Haus ist ein Zufahrtsweg mit Fahrzeugparkplätzen und dahinter eine Wiese; also nicht direkt die Straße oder ein Bürgersteig. Räumen mein Mitmieter oder ich Schnee, machen wir den Zufahrtsweg komplett frei (ist nämlich auch ein Rettungsweg) und schaufeln den Schnee in oder an die Wiese, wo er dann störungsfrei abtauen kann.

Nur der bezahlte Hausmeister ist entweder zu geistlos oder zu ignorant. Nein, er zieht eine Kehrspur und schüttet dabei das Umfeld der parkenden Autos mit Schnee zu – und zwar derart, daß man zu seinem Fahrzeug durch den Tiefschnee waten darf. Man muß sich schon fragen, wieso jemand, der die technischen Hilfsmittel hat um ohne große Kraftanstrengung den Schnee wegzuräumen, derart hirnlos und faul vorgeht. Dummerweise habe ich ihn bisher noch nie “live” erwischt (unsere Zeiten sind zu unterschiedlich), sonst hätte ich ihn schonmal persönlich gefragt, ob er noch alle Flocken am Schneemann hat.

Diese Problematik scheint aber bei weitem nicht nur mein Haus zu betreffen. Diese Art des Schneeräumens beobachte ich in immer mehr Straßen, insbesondere in Nebenstraßen, die von der Stadt oder Gemeinde bekanntlicherweise im Winter komplett ignoriert werden. Outsourcing scheint also mal wieder die schlechtere Wahl zu sein.
Den Oberwitz durfte ich aber vor ein paar Tagen beobachten. Der Schnee war fast zur Gänze abgetaut und schon zum bekannten Schlamm zusammengeschmolzen. Unser Zufahrtsweg war so gut wie frei und auch sauber. Da kommt das Hausmeistermännlein der Wohnungsbaugenossenschaft auf seinem kleinem John-Deere-Trecker angefahren, schüttet erstmal großzügig Rollsplitt auf den schneefreien Boden (was den Autofahrer jedesmal beim rein- und rausfahren ganz besonders freut) und hat dann die Frechheit, den restlichen Schlammschnee direkt vor mein parkendes Auto zu schieben. Glücklicherweise habe ich ihn dabei gesehen und konnte ihn noch vor Ort fragen, ob er noch alle Steine auf der Schleuder hat oder was diese unsinnige und hirnrissige Aktion zu bedeuten habe. Natürlich stellte er sich dumm und stur und erst auf mein freundlich vorgetragenes Angebot, ihn an seiner verdammten Schneeschaufel festzubinden und danach mit Karacho durch ein paar Schlammhügel zu brettern, räumte er murrend den Dreck vor meinem Wagen weg und schob ihn in die Wiese. Auf meine Frage, wo er eigentlich während der starken Schneefälle war, blieb er mir eine Antwort schuldig.


Winterzeit, die Zeit des Friedens und der Ruhe. Ist wohl eher nur noch für Kinder so. Es sei ihnen vergönnt. Mögen sie noch lange am Schlittenfahren, Schneemann bauen und Schneeengel formen ihren Spaß haben. Spätestens wenn sie als Erwachsener von der Schneeordnung eingeholt werden, ist jedweder Spaß am Schnee ohnehin dahin.

 

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