Nachdem ich heute, am Tag Eins nach Rock im Park (oder RIP, wie es mittlerweile recht eindeutig zweideutig genannt wird), am Festivalgelände vorbeifuhr, fühle ich mich bemüßigt, ein oder zwei Sätze zu dem alljährlich stattfindenden Spektakel zu verlieren.

Zunächst einmal empfinde ich den Namen ROCK im Park als schlechten Witz. In früheren Zeiten, als das Ereignis noch den Namen "Monsters of Rock Festival" trug, wurde dem auch Rechnung getragen, indem sich das line-up in der Tat ausschließlich aus Rock- und Hardrockbands zusammensetzte. Gerne schweifen die Erinnerungen des geneigten Fans an diese glorreichen Tage zurück, als einem Bands wie Deep Purple ein fast fünfstündiges Konzert buchstäblich um die Ohren hauten, und man sich an Größen wie Iron Maiden, Whitesnake, Dio, Metallica und anderen erfreute. Lese ich dagegen, wer heutzutage alles auftritt, muß die Frage erlaubt sein, was das alles noch mit Rockmusik zu tun hat. Die paar wirklichen (Hard)Rockbands lassen sich an einer Hand abzählen, und die Truppe um Jammerer Xavier Naidoo gar noch als Headliner für den Freitag anzugeben, zeigt mehr als deutlich, daß das alles mit einem Rockfestival nur noch wenig gemein hat.
Das wäre an sich alles nicht so schlimm, bennente man das Ereignis einfach anders. So aber ist es in meinen Augen schlicht Etikettenschwindel und dem süddeutschen Fan bleibt als einziges fast nur noch der Weg in den hohen Norden, zum ebenfalls alljährlich stattfindenden Festival in Wacken - denn dort ist noch drin, was draufsteht: Hardrock und Metal bis zum abwinken.

Der Punkt aber, der mich am meisten aufstößt, sind die zeltenden Besucher, die sich hier drei (manchmal auch vier) Tage aufhalten. Vielleicht hat diesen Dreckschweinen noch niemand gesagt, daß die Fläche, auf der sie sich niederlassen, eigentlich ein Naherholungsgebiet im Nürnberger Süden ist. Oder sie wissen es; in dem Fall sind es dann schlicht Arschlöcher!
Man mag mir meine drastische Wortwahl verzeihen, aber der Zustand, in welchem sich das Gebiet rund um den Dutzendteich heute befindet, ist schon lange nicht mehr wahr. So müssen die Felder nach der Völkerschlacht von Leipzig ausgesehen haben, mit dem einem Unterschied, daß in Nürnberg keine menschlichen Leichen rumliegen, sondern Müll, Dreck und Unrat jeglicher Coleur. Was für die "Dosenstecher" (also die armen Teufel, die aus finanzieller Not die leeren Getränkedosen einsammeln) paradiesische Zustände sind, ist für jeden anderen ein Ärgernis - und für den Steuerzahler ein teueres dazu. Denn aufräumen muß hinterher die Stadt Nürnberg, und die Müllmänner haben da wahrhaft genug zu tun; Arbeit für mindestens eine Woche ist ihnen hier sicher. Streift man über das Gelände, muß man sich schon wundern, was manche Zeitgenossen so alles zurücklassen. Komplette Grills stehen herum, ganze Partyzelte bleiben stehen, sogar Sofas findet man mitten in der Landschaft. Mal davon abgesehen, daß das Zeug doch wohl auch Geld bei der Anschaffung gekostet hat, ist es schlicht eine Frechheit, die ihresgleichen sucht, halbe Wohnlandschaften mitten in der Parkanlage zurückzulassen.
Der Schreiber dieser Zeilen, der selbst auch schon genug Events dieser Größenordnung besucht hat, kann einfach weder verstehen noch nachvollziehen, was daran so schwer sein soll, den Müll, den man produziert hat, wieder mitzunehmen und korrekt zu entsorgen. "Verlassen sie diesen Platz so, wie sie ihn vorzufinden wünschen", nämlich (zumindest halbwegs) sauber und ordentlich. Klar - man feiert, ist besoffen und bekifft und macht sich wenig Gedanken über den nächsten Tag. Das ist ja auch in Ordnung. Aber wenn man dann am nächsten Tag wieder halbwegs klar im Kopf ist und für die Rückfahrt zusammenpackt, warum nicht auch den Müll mitnehmen? Mülltüten kosten noch nicht mal Geld und mittlerweile wären die Aufräumer der Stadt ja schon dankbar dafür, wenn sie "nur" hunderte von gefüllten Müllsäcken einsammeln müßten. Aber nein, der Dreck bleibt kreuz und quer auf den Wiesen und Plätzen liegen, sodaß man nur noch konstatieren kann, daß sich hier wohl in den letzten drei Tagen die größten asozialen Schweine der Nation getroffen haben.

Ich streite nicht ab, daß es auch ordentliche Leute unter den Festivalbesuchern gibt, für die die Worte Sauberkeit und Umweltschutz nicht bloß hohle Phrasen sind. Leider ist diese Klientel aber deutlich in der Minderzahl, allen Ordnungsgeldandrohungen für Müllsünder zum Trotz. Zurück bleiben nicht nur verärgerte Anwohner, sondern auch der finstere Gedanke, daß die "jungen Leute", die sich dort herumtreiben, der blanke Abschaum sind - und so füttern die Teenager und Twens gerade die Ressentiments gegen sie, die eigentlich schon überwunden sein sollten.

Und, um auch das noch zu sagen: das Monsters of Rock mag als Festival zwar etwas kleiner gewesen sein (und auch ein bisschen lauter, wie ich unumwunden zugebe), aber solche Müllberge wurden zu dieser Zeit nie hinterlassen. Man könnte nun dahingehend spekulieren, daß der Fan von wirklich harter Musik ein viel sauberer und umweltbewusster Zeitgenosse war und ist, als es diese Pseudo-Rockfans jemals sein werden. Aber das zu erörtern ist aufgrund der lange zurückliegenden Ereignisse müßig.
Und so ärgern sich die Nürnberger, insbesondere die Südstädter jedes Jahr aufs Neue: nicht wegen der Lautstärke der Musik, nicht wegen der Verkehrsprobleme rund um das Gelände und auch nicht wegen der Horden junger Leute, die an Dutzendteich und Luitpoldhain einfallen - wohl aber wegen ihrer Hinterlassenschaften und ihrer konsequenten Weigerung, die Stadt halbwegs mit Anstand wieder zu verlassen. 

 

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