Weils momentan mal wieder tierisch nervt in der Franken"metropole", fühle ich mich bemüßigt, das ein oder andere Wort über die nicht enden wollenden Baustellen und deren Sinn bzw. UNsinn zu verlieren.

Es ist ja nun keine Neuigkeit, daß der öffentliche Nahverkehr in Nürnberg einen massiven Ausbau erfährt, seitdem die roten Socken unter Malys Fuchtel das Rathaus besetzt halten. Das für sich genommen ist eigentlich nicht so tragisch, die Art und Weise der Durchführung dann allerdings ist an Debilität, Dilletanttismus und Steuergeldverschwendung kaum noch zu überbieten. Daß der Schwachfug zuungunsten des Autofahrers passiert und Nürnberg sich mehr und mehr zu einer der autofahrerfeindlichsten Städte Deutschlands entwickelt mag wie eine Randerscheinung wirken, scheint aber ebenfalls mit System zu passieren.

Aktuell wird in der Bucher Straße stadtauswärts gebaut. Es kommt eine neue Straßenbahnschiene rein, bzw. wird die Straßenbahn von der derzeitigen Endhaltestelle Thon weiter raus verlegt (weiß grad nicht, wie weit; bis zur Metro oder zum Schwan Stabilo). Die Schienen werden parallel zur Straße verlegt, natürlich ohne Verbreiterungen vorzunehmen. Das bedeutet im Umkehrschluß, daß die bis dato vierspurige Bucher Straße wohl künftig etwas schmäler werden wird. Natürlich wird außerdem, da wette ich heute schon drauf, die Straßenbahn auf einem erhöhtem Gleisbett fahren, das mit einem hohen Bordstein von der Straße abgegrenzt wird. Wenn sich also dann zukünftig mal wieder stadtein oder -auswärts wie üblich alles staut (denn den Ampelcomputer dürfen seit Jahren die Lehrlinge programmieren und damit spielen) und ein Einsatzfahrzeug durch will bzw. muß, haben mal wieder alle die Arschkarte gezogen. Das Einsatzfahrzeug, weil kein Autofahrer verpflichtet ist, sich seine Räder oder Achsen an solchen Mörderbordsteinen zu zerstören, die Autofahrer, die so doof sind und trotzdem da rauf fahren und hinterher von der Versicherung nur ein "Äläbätsch" hören und der Verletzte/in Not geratene, zu dem das Einsatzfahrzeug eigentlich dringend hin muß.
Der eigentliche Witz an der Sache ist aber: dort, wo jetzt für hunderttausende Schienen verlegt werden, fährt schon seit Jahren eine Buslinie. Warum jetzt hier ein so antiquiertes Gefährt wie eine Tram hin muß, verstehe, wer will - ich tu es nicht! Der Bus schwimmt schön mit dem Verkehr, die Tram wird sich hier als genau das gleiche Verkehrshindernis erweisen, wie sie es auch schon anderorts tut. Mein liebstes Beispiel hierzu ist das Gibitzenhoftunnel, welches die Südstadt mit dem Plärrer verbindet. Auch hier wurden Gleise für die Tram in beide Richtungen verlegt und die Haltestelle genau in die Mitte gepflanzt, damit der gehfaule Sack die darüberliegende S-Bahn Station mit höchstens fünf Schritten zum Aufzug erreichen kann. Nun sind die Gleise aber in der Fahrbahn verlegt und zusätzlich 3 (drei!!) Ampeln reingestellt worden, damit alle Autos schön stehenbleiben, wenn die Tram genau vor ihnen stehenbleibt. Und das tut sie immer - egal, wann man durch den Tunnel durchfährt, man hat mit einer Wahrscheinlichkeit von 97% plus eine Tram vor der Nase oder auf der Gegenfahrbahn (die einen Dank automatischer Ampel-Vorrangschaltung auch stoppt) zu haben. Die Folge: wo man früher einfach druchfuhr zum Plärrer, steht man heute so gut wie immer in einer mehr oder weniger langen Schlange von Autos, bis hin zum zünftigem Stau. Ausweichen ist kaum möglich, denn die Ausweichroute führt über die Rampen, Nürnbergs seit Jahren (oder gar Jahrzehnten) bestehendes Verkehrsproblem und Staufalle Nummer Eins. Eine planersiche Vollkatastrophe also - aber beileibe nicht die Einzige.
 
Das bringt mich nahtlos zum Thema Baustellen allgemein. Als Beispiel führe ich hier mal den Hasenbuck an. Hier wurde dieses Frühjahr (und über den ganzen Sommer über) die Innsbrucker Straße zum x-ten mal innerhalb ein paar Jahren aufgerissen, um neue Leitungsrohre zu verlegen (Gas/Wasser/Scheiße/Strom - wasweißich). Danach sollte die Gelegenheit beim Schopfe gepackt werden und der Straßenbelag auch mal komplett erneuert werden - was auch dringend nötig ist, denn die Straße sieht aus wie die schlimmsten Ossi-Schlaglochpisten gleich nach der Wende. Nun hat man also tapfer das 60Meter-Stück zwischen Goten- und Innsbrucker Straße neu asphaltiert, die Kurve mit einem massiven Gehsteigausbau künstlich verengt (die war vorher schon scheißeng) und ein paar Parkplätze eingebaut. Ab der Sterzinger Straße ist aber schon wieder Schluß mit gutem Straßenbelag. Dort hat man einfach aufgehört und die restlichen knapp 700 Meter der Straße einfach in dem saumäßigem Zustand gelassen, in dem sie schon seit Jahrzehnten ist. Das ganze sieht wie für den unbedarften Beobachter wie ein Stilblüte aus: auf der rechten Seite ist eine Parkbucht zur Hälfte angelegt und hört dann einfach auf - dahinter ist die Wüste. Geldmangel kanns nicht sein (denn das Projekt Neuasphaltierung der GESAMTEN Straße wurde in einer SÖR-Broschüre den Bürgern noch großkotzig angekündigt), sodaß man sich schon fragen muß, welche Vollidioten hier verantwortlich sind! A propos Verantwortung: nachdem die Baufirma Brochier alles aufgerissen, die Rohre getauscht und wieder notdürftig zugeschüttet hat, blieb der ganze entstandene Dreck (Sand, kleine Steinchen, die sich prima in die Reifen bohren und an die Karosserie spritzen) einfach liegen; niemand fühlte sich bis heute dazu berufen, hier sauberzumachen. Vor einer Woche (immerhin gut einem Monat nach "Abschluß" der Arbeiten) fuhr eine Mini-Kehrmaschine von SÖR durch. Ergebnis: keines! Sie hat den Dreck lediglich in eine Spur auf die Straße gekehrt, wo sie von nachfolgend durchfahrenden Autos wieder schön verteilt werden kann. Ein Schelm, wer jetzt denken mag, daß die Südstadt eh der Abschaum von Nürnberg ist und es da ja dann auch dementsprechend auszusehen hat. Daß in diesen SIEBEN Monaten Bauzeit nun so gut wie kein Ergebnis zu sehen ist, und andere in dieser Zeit ein Hochhaus komplett mit allem Drum und Dran hochziehen, sei nur nebenbei erwähnt.