Die Zeit, 03.07.08 (Finis)
Nach dem Abpfiff haben wir unser deutsches Verliererfähnchen rasch eingerollt und kehren nun zur Tagesordnung zurück. Wo waren wir vor der EM noch mal stehen geblieben? Genau, beim ollen Kurt Beck. Sollen wir den SPD-Chef noch mal rasch in die Pfanne hauen, medium rare mit ordendich Pfeffer? Nicht nötig, das haben die lieben Kollegen schon für uns erledigt.
Aber hallo, wer kommt uns denn da frech vor die Flinte? Das ist ja Thilo Sarazin, der Berliner Finanzsenator! Lieber Herr Sarazin, wie geht’s denn so? Unter Wowereits grauen Mäusen sind Sie ja ein bunter Hund.

 

Sie reiten auf einem gepanzerten Sparschwein und machen damit Sozialkosten platt wie eine sibirische Flunder. Glückwunsch! Dafür loben wir Sie gern, obwohl Sie leider Sozialdemokrat sind und rudeljournalistisch gesehen in die Tonne getreten werden müssten. Neulich haben Sie gesagt, man könne von fünf Euro Stundenlohn gut leben. Hut ab! Dass ein Sozi dies sagt, gefällt uns. Sie haben Recht, fünf Euro sind genug, mehr braucht kein Mensch.
Naturgemäß hat die Stalinisten-Partei Die Linke Sie deshalb beschimpft, wie verlogen! In der DDR waren fünf Euro fast zehn Westmark, und dafür gab es sechs Bananen, einen Keks und danach erst mal nix. Apropos Bananen. Für fünf Euro Stundenlohn bekommt ein Arbeiter heute zweieinhalb Kilo Bananen oder 500 Gramm quietschgelbe Gummibärchen. Nach Adam Riese sind das vier Kilogramm super Gummibärchen am Tag oder zwanzig Kilogramm pro Woche. Lieber Herr Sarazin, wir haben daraus eine Faustformel geschnitzt, die Ihnen gefallen wird. Hier ist sie: Ein Mensch verdient in dem Augenblick genug Geld, wo er sich von seinem Lohn mehr Gummibärchen leisten, als er an einem Tag persönlich verzehren kann. Geile Formel, gell?
Afrikaner würden sich übrigens die Finger danach lecken, wo doch die Reisimporte aus Europa so teuer geworden sind. Diese ausgehungerten Menschen müssen von einem Euro am Tag leben, während unseren satten Fünf-Euro-Jobbern die Gummibärchen zum Halse raushängen. Unter uns: Wer nach vier Kilo Gummibärchen abends immer noch Hunger hat, der soll in der Spree Fische angeln. Unter Wasser ist die Speisekarte der Natur für ihn stets reich gedeckt. Zum Abschluss, wie immer an dieser Stelle, noch unser persönlicher Tipp: Wenn zwei Fünf-Euro-Jobber sich sehr lieb haben und heiraten, verdienen sie zusammen zehn Euro in der Stunde oder umgerechnet ein Kilo Gummibärchen. Das ist nicht arm, das ist sexy!



Ehrlich, ich mag Finis’ Schreibe. Ich bin schon fast eine Sammler seiner (so hat er sich mal geoutet) Artikel und Glossen. Er macht es einem Zyniker wie mir leicht, seine Anmerkungen entbehren fast jeglicher Kommentierung. Natürlich muß er sich dabei etwas zurückhalten, schließlich schreibt er für ein seriöses Wochenblatt.

Dieser Begrenzung unterliege ich als Privatperson nicht, daher setze ich noch einen drauf: ich halte Sarazin für einen neoliberalen Arsch der gefährlichsten Sorte. Wer so einen Fünf-Euro Schwachsinn von sich gibt, sollte es meiner Meinung nach erstmal vorleben. Wenn er den Beweis erbracht hat (und zwar über Monate hinweg), dann kann er sowas öffentlich sagen. Weil er aber von einem erklecklichen Salär auf Kosten der Steuerzahler lebt, sollte der Kerl meines Erachtens lieber mal die Fresse halten.

 

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