Die ZEIT, 10.01.2008 (Marc Brost)
Wäre die Welt gerecht, dann wäre Clive Sinclair heute Miliardär. Ein Multimiliardär. Er wäre so etwas wie der britische Bill Gates, ein wenig kauzig, mit vielen Ideen und vor allem eben reich. Auch Clive Sinclair machte früh in Computern. Anfang der 80er war das. Sinclair erfand die Minirechner ZX80 und ZX81, erbaute sogar ein Elektroauto – es hieß C5 -, doch als das Geschäft mit den PCs so richtig losging, war Sinclairs Geschäftsmodell bereits am Ende. Der Erfinder taugte einfach nicht zum Unternehmer. Zum Trost spendierte ihm die Queen 1983 wenigstens einen Adelstitel.

 

Sir Clive hätte durchaus ein erfolgreicher Unternehmer werden können – hätte der gute Mann bloß die beiden wichtigsten Regeln für Innovationen beachtet. Verlange einen unverschämt hohen Preis! Und: gib dem Ding einen vernünftigen Namen, also bitte nicht ZX81 oder C5, sondern Windows oder iPod oder Le Brumisateur!
Le Brumisateur? Das ist kein französischer Taschen-PC, sondern Thermalwasserspray fürs Gesicht. Eine Flasche ist teurer als ein Kasten Mineralwasser (ohne Pfand), aber der Hersteller Evian verkauft den Brumisateur wie geschnitten Brot. Man kann sich die diebische Freude des Erfinders schon vorstellen: die Leute zahlen mir Geld, um sich Wasser ins Gesicht zu sprühen? Ich mach mich nass! Das allerdings wäre dann auch wieder gerecht.


Mann, Mann! Ich schmeiß mich gerade weg vor Lachen.
Geld dafür zu kassieren, daß sich Leute Wasser in die Fresse spritzen! Unfassbar. Wäre ich bloß als Kind, als ich noch im Besitz einer Wasserpistole war, auf diese Idee gekommen! Dem Hersteller Evian muß ich fast schon Respekt für diese Dreistigkeit zollen. Schließlich machen sie sowas nicht zum ersten Mal. Ihr ebenfalls vertriebenes Mineralwasser (stilles Wasser) glänzt ja ebenfalls durch einen unverhältnismäßig hohen Preis. Deren Marketingleute haben eine alte Weisheit verinnerlicht: es stehen jeden Tag eine Haufen Dumme auf. Du mußt sie bloß finden.

 

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