Die ZEIT, 10.01.2008 (Finis)
Nun hat auch das Weltall ein Gewaltproblem! Horden jugendlicher Asteroiden, so war auf Spiegel online zu lesen, toben durch das Universum und zerschmettern alles, was sich ihnen in den Weg stellt. Kosmotechnisch betrachtet, sind die Asterioden Materie ohne Auftrag, oder um Menschenskindern verständlich zu bleiben: die Halbstarken sind arbeitslos.

 

In der Milchstraße hat man keine Verwendung mehr für sie; den alten Stars sind die jungen Sterne schnuppe. Wie Astrophysiker berichten, ist auch die seelische Gravitation der Gewalttäter gestört. Seit sich Papa Stern und Mama Stern getrennt haben, rasen die Asteroiden transzendental obdachlos durch das Schweigen der Räume und spielen Mister Universum. Aber müssen die Rüpel deshalb gleich Mutter Erde aus der Umlaufbahn ballern? Das müssen sie nicht.
Schon einmal, vor vielen Lichtjahren, schlug ein Täterstern die Erde zu Brei, verursachte eine Sonnenfinsternis und lies die Dinosaurier elend verrecken.Das kann sich jederzeit wiederholen. Laut Spiegel wollen die Amerikaner, die mental bekanntlich vom Mars kommen, deshalb die kosmischen Kriminellen mit Raketen abschießen. Shock-and-Awe heißt das tolle Verfahren, daß sich schon im Irakkrieg bewährt hat. Zack, eins auf die Nuss, und dann ist Ruhe im Sternenzelt. Aus die Maus.
Und die Deutschen, diese planetarischen Weicheier?Typisch, die Deutschen glauben immer noch an die Kuschelpädagogik. Sie wollen einem bösartigen Asteroiden, der von der rechten Bahn abgekommen ist, mit Hilfe eines gutartigen Raumschiffs einen zarten Stubs in die Seite geben, damit er höflich an der Erde vorbeifliegt. Das dürfen wir uns dann so vorstellen: zuerst veranstalten ökopazifistische Kuschelpädagogen ein politisch korrektes Hupkonzert und schrecken den Intensivtäter ab. Danach besteigt Frau Claudia Roth, die grüne Supernova, mit einer Kinderzwille das Dach eines Elektroautos und winkt dem auf die Erde zurasenden Killerkometen mit ihrem Schal freundlich zu. „Hallo, süßer Bengel! Sei bitte so nett, und flieg ein Häuschen weiter.“
Lieber Wähler, Sie sehen: bei den nächsten Landtagswahlen steht viel auf dem Spiel. Wir müssen nicht nur Deutschland, wir müssen auch Mutter Erde vor dem Untergang retten. Kriminelle Asteroiden gehören abgeschossen oder abgeschoben. Am besten ins Schwarze Loch, an den Rand der Milchstraße, denn von dort kommen sie schließlich her. Keine Toleranz für Gewalt!


Herrlich!
Eine Psychostudie des deutschen Gutmenschentums, die den Nagel genau auf den Kopf trifft. Streng wissenschaftlich gesehen ist zwar auch die amerikanische Lösung unsinnig, da unwirksam, aber darum geht’s hier ja nicht.
Finis, wer immer Sie sind, ich verneige mich vor Ihnen!

 

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