Bunratty / Ennis (Inis) / Hag's Head / Doolin / Lisdonvaarna / The Burren (Boirínn)

Früher, als die Frösche noch Locken hatten (also zur Jahrtausendwende), flog man per Charter nach Irland. Dann landete man nicht in Dublin, sondern in Shannon. Der heute völlig überdimensionierte Flughafen hat seinen speziellen Charme, steigt man doch aus dem Flieger aus und läuft dann gemütlich ein paar Meter übers Rollfeld zur Ankunftshalle. Wer die Chance hat, Irland via Shannon anzufliegen, sollte das tun. Hier gehts wesentlich entspannter als im hektischen Dublin zu. Und das County Clare bietet zum Einstieg der Reise mit knapp 2000 keltischen Ringforts und rund 250 Burgen, von denen die meisten jedoch einfache Wehrtürme sind, einiges zu sehen.

Von Shannon aus führt uns der Weg zum Vorzeigeort für vor allem amerikanische Touristen: Bunratty. Hier ist so, wie sich unsere Freunde aus Übersee das mittelalterliche Europa vorstellen. Das Wahrzeichen des Ortes, Bunratty Castle, wartet mit allen Attraktionen auf, die man von einem solchen Ort erwartet, inclusive abendlichem Ritteressen (natürlich mit den Fingern), das von mittelalterlichen Klängen und Bänkelsängern begleitet wird. Direkt daneben befindet sich Durty Nelly’s, das angeblich 1620 erbaute und somit älteste Pub der Welt; ein riesiges Gewirr an Tresen, Separees und Räumen. Um das Klischee noch vollends auf die Spitze zu treiben, gibt’s dann noch den Folk Park, ein Nachbau eines mittelalterlichen Dorfes, in dem im Sommer an allen Ecken und Enden wie in der „guten alten Zeit“ geschmiedet, getöpfert, gezimmert und geklöppelt wird.

Zwischen Bunratty und Ennis liegt die ehemalige Franziskanerabtei Quin Abbey, die zu einer romantischen Ruine zusammengefallen ist. Sie wurde 1433 auf den Ruinen einer alten Normannenburg errichtet und kann kostenlos besichtigt werden.

Weiter im Norden stößt man auf die Hauptstadt des Countys: Ennis. Meist wird dort von Touris, die via Shannon einfliegen, die erste Nacht verbracht. Man sollte sich aber nicht zu früh zurückziehen, denn Ennis ist wegen seiner Musikszene berühmt. In vielen Pubs gibt es abends Livemusik und saisonaler Höhepunkt ist das Ende Mai stattfindende Volksfest „An Fleadh Nua“, bei dem sich zeigt, warum Clare das ‚Singing County’ gennant wird. Der Film „The boys and girl from County Clare“ mit Colm Meany und der irischen Sängerin Andrea Corr befasst sich mit der Thematik und bietet schon mal einen Einblick in die Ernsthaftigkeit, mit der der Sangeswettstreit betrieben wurde und auch heute teilweise noch wird.

Nordwestlich von Ennis, zwischen Hag’s Head und Aillenasharragh, liegen die 8 Kilometer langen Cliffs of Moher. Die bis zu 230 Meter hohen Klippen sind ein Naturschauspiel sondersgleichen und gehören zum Pflichtprogramm bei einem Besuch in Irlands Westen. Leider hat sich das herumgesprochen, sodaß an manchen Tagen, gerade an Wochenenden, nicht viel von der erhabenen Würde der Natur übrigbleibt. Ganze Schwärme von Touristenbussen laden dann ihre Fracht ab und man kann vor lauter Menschen kaum das Meer sehen. Das 2007 eröffnete Visitor Centre und der neu erbaute Parkplatz (für den einem satte 8,- Euro abgeknöpft werden), hat seinen Teil zur Kommerzialisierung beigetragen. Ebenfalls neu angebrachte, hüfthohe Zäune sollen verhindern, daß der Touri sich zu weit vorwagt und ins Meer stürzt (obwohl das meines Wissens eher selten passierte; absolut zu den Besuchern dürften die Unfälle wohl deutlich unter einem Prozent gelegen haben). Trotz all dieser Verschandelungen und Verschlimmbesserungen sollte man trotzdem wenigstens einmal dort gewesen sein, halt nicht gerade am Wochenende. Wegen ihrer Länge verlaufen sich die Leute auf den Klippen schon und man kann das ein oder andere ruhige Fleckchen geniessen. Denn der Ausblick dort oben auf den windumtosten Klippen ist einfach grandios. 

Weiter führt uns der Weg nordwärts zum nächsten Stop, dem Küstenörtchen Doolin, das als Mekka irischer Folkmusic gilt. Wie so oft, lebt man auch hier bis heute von einer ruhmreichen Vergangenheit. Schon seit den 70ern ziehen Musikbegeisterte und Gälophile in das irische Dorf. Vor allem bei den Deutschen war und ist Doolin recht beliebt, und das beruht auf Gegenseitigkeit. Die Einheimischen mögen die Deutschen nach wie vor am liebsten, sind sie doch höflich und ordentlich. Läßt man abends im berühmten Musikpub O’Connor’s ein, zwei deutsche Sätze fallen, findet sich schnell Anschluß an eine gesellige Runde mit den herzlichen und freundlichen Dorfbewohnern.

Von Doolin aus hat man auch einen Blick auf Inisheer, die kleinste der Aran Islands. Politisch gehören die Arans zu Galway, geografisch sind sie ziemlich genau mittig zwischen Clare und Galway. Ich selbst war bis dato noch nicht auf den Inseln; sie stehen aber fest im Plan für einen der nächsten Irlandbesuche. Zum einen wegen der schönen Landschaft, zum anderen wegen eines ganz pragmatischen Grundes: ich möchte gerne einen handgestrickten Aran Pullover. Für die kalten Winter zuhause sind diese Dinger geradezu ideal. Und nach allem, was ich bisher gehört habe, lassen sich direkt bei einer der auf den Inseln ansässigen Strickerinnen bessere Einkaufspreise erzielen, als bei Quills oder Blarney Woolen Mills, wo die Pullis schon gern mal 150,- Euro aufwärts kosten. Die Qualität ist es sicher wert, dennoch halte ich einen Vor-Ort Einkauf, direkt von der Strickerin, einfach für ‚more real’.

Wir ziehen weiter landeinwärts und passieren Lisdoonvarna, das einzige Heilbad in Irland. Es ist aber weniger wegen seiner Schwefelquellen bekannt und berühmt, sondern wegen des alljährlich im September stattfindenden „Matchmaker Festival“, bei dem sich Junggesellen und –gesellinnen aus dem ganzen Land (und darüber hinaus) hier einfinden, um zarte Bande zum anderen Geschlecht zu knüpfen. Angeblich soll die Erfolgsquote recht gut sein -  ich kann das weder bestätigen noch verneinen (muß mich wohl doch mal im Herbst dorthin begeben; wer weiss, was es bringt :-) ).

Weiter westwärts stoßen wir schließlich in ein ganz besondere Landschaft: The Burren. Eine ganz erstaunliche Karstlandschaft, von der ein Heerführer Cromwells angeblich sagte: „Kein Wasser zum Ertränken, kein Baum zum Hängen, keine Erde zum Begraben.“ Auf der einen Seite gespenstisch steinig und öde, auf der anderen Seite reich an Pflanzen ist der Burren tatsächlich etwas ganz Besonderes. Auch einige der zahlreichen Sehenswürdigkeiten von Clare finden sich in dieser Ecke.

Beispielsweise die Aillwee Caves, die einzige touristisch erschlossene Höhle des Burren. Ob man nun hineingeht oder nicht, muß jeder selbst entscheiden. Der Eintritt liegt mit 15,- Euro eigentlich an der Grenze zur Frechheit und im Vergleich mit anderen Tropfsteinhöhlen gibt’s eher weniger zu sehen (die Teufelshöhle im fränkischen Pottenstein ist dagegen ein echter Maßstab für ein Naturschauspiel).

Gänzlich umsonst ist ein weiteres berühmtes Monument, der Poulnabrone Dolmen. Zwischen Leamaneh und Ballyvaughan, direkt neben der R480, steht das wahrscheinlcih schon zehntausendfach fotografierte Monument mitten in der Karstlandschaft. Früher durfte man noch näher hin und direkt daneben fand man ein Feld, auf dem Touristen ihre eigenen, kleinen Dolmen gebaut hatten. Eine Verbeugung vor den alten Kelten, die Glück bringen sollte. Leider hat man diese Dolmen (unter anderem auch meinen) entfernt und die Steine weggeschafft – schade eigentlich. Der Poulnabrone Dolmen ist mittlerweile mit einem Absperrseil gegen zu nahes Herantreten gesichert. Dafür hat man aber in 1 Kilometer Entfernung, beim Caherconnell Stone Fort, ein Visitor Centre hingestellt, in welchem man sich (gegen Eintritt, of course) über den Dolmen und das Fort informieren kann. Der Kommerz scheint auch hier nicht aufzuhalten zu sein.

Ein weiterer interessanter Sightseeingpoint sind die Ruinen der Corcomroe Abbey, einem Zisterzienserkloster aus dem 13. Jahrhundert. Sie liegt etwas östlich von Ballyvaughan und kann umsonst besichtigt werden. Da man sich hier schon langsam dem Gebiet der Gaeltacht nähert, sollte man Ausschau nach einem Hinweisschild mit der Aufschrift „Mainistir Chorco Modhruadh“ halten, das ist nämlich der irische Name der Abtei.