Tralee (Trá Li)

Zu dem mit immerhin 24.000 Einwohner zählenden Städtchen weiß ich leider nicht allzuviel zu sagen, da es mir meist als reine Durchgangsstation bei Touren zwischen den Countys Kerry und Limerick diente. Man kann hier allerdings angenehm rasten und seinen Kaffee bei der Blennerville Windmill einnehmen, Irlands größter noch in Betrieb befindlicher Windmühle. Wer mag und an Kultur interessiert ist, kann sich gegen Eintritt auch noch das angeschlossene Heritage Centre antun.

Ansonsten ist Tralee eher nüchtern und unauffällig – bis auf die letzte Augustwoche. Da steppt im Wortsinne der Bär, denn es wird alljährlich Irlands schönste Maid gekürt, die „Rose of Tralee“. Die weltberühmte Misswahl, die sogar im amerikanischen Fernsehen übertragen wird, lockt nicht nur die ‚prettiest colleens of Eire’, sondern natürlich auch zahllose Zuschauer an. Eine Übernachtungsmöglichkeit zu diesem Zeitpunkt zu finden, dürfte beinahe unmöglich sein.

 

Für das Panoramabild in der lightbox rechts oben auf "vergrößern" klicken


 

Dingle Peninsula / Dingle (An Daingean)

Eine Rundreise entlang der Küste der Halbinsel Dingle führt zu einigen interessanten Sightpoints und landschaftlich reizvollen Aussichten. Von Norden kommend, startet die Reise gewöhnlich in Tralee. Normalerweise nimmt man die N86 gen Süden bis Dingle. Interessanter ist aber sicher, bei Camp auf die R560 abzubiegen und den Connor Pass zu überqueren, da es einfach die schönere Route ist.

In Dingle selbst sollte man unbedingt einen kleinen Stop einlegen. Das Örtchen selbst hat sowohl Pseudo- als auch echte Attraktionen zu bieten. Ein kleiner Spaziergang am Hafen mit Besichtigung der Fischerboote ist anzuraten, solange diese noch existieren. Denn Dingle selbst ändert sich mit rasanter Geschwindigkeit, wurde es doch von Prominenten als Feriendomizil entdeckt. Wie häufig in Irland, war auch hier ein Filmdreh der Auslöser des Ruhms, von dem jahrzehntelang gezehrt wird. In diesem Fall war es David Leans 1970 in Dingle und Umgebung gedrehter „Ryans Daughter“, der die Aufmerksamkeit auf den Ort zog. Noch heute geht die Geschichte (und wird auf Nachfrage von älteren Einheimischen auch gern erzählt) um, als Robert Mitchum und Trevor Howard in einem Pub in Dingle saßen, und sich Mitchum nach einer bereits geleerten Flasche Brandy beschwerte: „Was für ein gottverdammtes Kaff. 50 Pubs und nichts zu essen!“ Nun, die Restaurants sind seitdem zahlreicher geworden. Und in der Tat sind es 57 Pubs – nicht schlecht für eine Ansiedlung mit 2000 Einwohnern.

Dingles zweite Hauptattraktion ist Fungie, ein freischwimmender, aber zutraulicher Delphin, den die Bewohner so sehr in ihr Herz geschlossen haben, daß sie gleich ein ganzes Visitor Centre hinstellten, in dem der staunende Touri alles über den Meeressäuger und seine Artgenossen erfahren kann.

Zur Komplettierung der Rundreise auf der Halbinsel, gehts bei Milltwon auf die R539, den Sleahead Drive. Ob nun links oder rechts herum fährt ist eigentlich egal, obwohl während der Hochsaison linksrum angeraten ist, da man ansonsten zuviel hinter den Reisebussen hereiert. Ein kurzer Stop am Slea Head selbst mit einem kleinen Strandspaziergang lohnt bei gutem Wetter immer.

Einen weiteren Stop sollte man am Gallarus-Oratorium einlegen. Hier kann man nun dem Wegweiser eines schlitzohrigen Bauern folgen, der die Besucher zu seinem Parkplatz und dem Visitor Centre führt, und hierfür 3,- Euro löhnen, oder man parkt in der Haltebucht des Feldwegs, ignoriert das Visitor Centre und sieht sich das Oratorium umsonst an. Dieses ist im Übrigen ohne Mörtel erbaut und trotzt seit über 1000 Jahren den Naturgewalten – sehr beeindruckend. 

 


 

Killarney (Cill Airne) / Muckross / Ring of Kerry / Kenmare (Neídin)

Killarney ist DIE Touristenhochburg Irlands (tatsächlich sind nur in Dublin die Übernachtungszahlen höher). Das ist natürlich der geografischen Lage geschuldet, da Killarney sozusagen das Einfallstor des Ring of Kerry ist, DER Touristenattraktion im Südwesten. An der Stadt selbst scheiden sich die Geister. Sicher, Wünsche bleiben kaum offen. Es gibt Pubs, Restaurants, Hotels und Einkaufsmöglichkeiten in Hülle und Fülle. Aber gerade dieser bemühte Großstadtflair, gepaart mit einer professionell routinierten Höflichkeit und in den Hotels an Beutelschneiderei grenzenden Preisen nimmt der Stadt viel von ihrem Charme. In der Hochsaison ist ein Durchqueren nur sehr langsam möglich; Stau reiht sich an Stau und die Stadt versinkt im Verkehr. Neben der Hauptsaison allerdings ist ein Spaziergang durch die Altstadt recht schön und man findet auch preiswerte Cafes mit zivilen Preisen, wo man noch in Ruhe die Teatime (oder Coffee-Time, je nach Geschmack) zelebrieren kann. Plant man einen mehrtägigen Aufenthalt in der Gegend ist es allerdings ratsam, sein Quartier etwas außerhalb zu suchen; außer man möchte unbedingt in einem Hotel der Superiorklasse nächtigen.

Wenn man bei Killarney Station macht, ist ein Besuch von Muckross House and Gardens absolutes Pflichtprogramm für den Freund schöner Landschaft. Hierzu sollte man ruhig einen ganzen Tag einplanen, denn es gibt jede Menge zu sehen und viele Wege zu erkunden. Das 1843 im neoelisabethanischen Stil errichtete Herrenhaus kostet zwar Eintritt, ist für den an Architektur Interessierten sicher aber einen Blick wert. Die angrenzende Parkanlage, die Gardens, dürfen kostenlos durchstreift werden. Die Anlage hat riesige Ausmaße und kann nicht nur zu Fuß erkundet werden. Wer sich schon immer mal wie ein Sir oder eine Dame fühlen wollte, bucht eine Rundfahrt in der offenen Pferdekutsche und läßt sich stilvoll durch den Park chauffieren. Ein netter und nicht zu anstrengender Spaziergang führt vom Muckross House durch das Arboretum hinunter zum See und von dort aus über weite, offene Parkflächen bis zum Torc Wasserfall. Der Wasserfall selbst dient wiederum als Ausgangs- und Endpunkt für mehrstündige Wanderungen. Wer diese unternehmen möchte, sollte allerdings sein Auto am dortigen Parkplatz abstellen und vom Wasserfall direkt aufbrechen.

Südwestlich von Killarney, direkt am Lough Leane gelegen, findet man Ross Castle. Die im 15. Jahrhundert erbaute Burg der O’Donoghues war die letzte Burg in Munster, die James Cromwell auf seiner Eroberungstour in die Hände fiel. Für den Eintritt inclusive Führung wurden zuletzt 6,- Euro fällig. Wer das nicht will und lieber durch die Landschaft geht, für den bieten sich am Lough Leane genug Wege. Auch der See selbst kann erkundet werden. Die eher sportlichen können sich für schmales Geld ein Ruderboot mieten und auf eigene Faust den See durchgondeln. Es werden aber auch Bootstouren angeboten und ein „Waterbus“ steuert die mitten im See gelegene Insel Inishfallen an, auf der ein Klosterruine zu besichtigen ist.

Ebenfalls einen kompletten Tag, evtl. sogar zwei, darf man für eine Motorwanderung (sprich: Fahrt mit dem Auto) entlang des Ring of Kerry veranschlagen. Die komplette Ringstraße ist 180 Kilometer lang und mit zahlreichen Sightseeing Points geradezu gespickt. Dies hat natürlich zur Folge, daß es in der Hauptsaison vor Touristenbussen nur so wimmelt, weshalb sich eine Fahrt „gegen den Strich“ empfiehlt.Eine Möglichkeit, die Rundstrecke abzukürzen, bietet das Gap of Dunloe. Fährt man den Ring von Norden her an, biegt man in Killorglin links ab und gelangt so in diesen landschaftlich sehr reizvollen Einschnitt zwischen den Macgillycuddy Reeks und den Purple Mountains. Innerhalb des Gaps kann man an zahlreichen Stellen stoppen und sich die Beine vertreten. Auf dem Weg Richtung Süden kann man nochmals einen Haken schlagen, der durch das ebenfalls sehenswerte Molls Gap zurück auf den Ring führt. Von da ab gehts dann auf der N70 entlang weiter nach Sneem.

Sneem selbst ist ein eher verschlafenes Örtchen, dessen Existenz man eigentlich nur wahrnimmt, weil man eben auf dem Ring of Kerry unterwegs ist. Dabei ist es gar nicht mal so uninteressant und aufgrund der bunt gestrichenen Häuser recht hübsch anzusehen. Man sollte sich ruhig die Zeit nehmen, kurz anzuhalten. Die Ortskirche strahlt wegen ihres dunklen Steins eine gewisse Morbidität aus und direkt daneben haben die Dorfoberen, wohl um Touristen anzulocken, in ihrem „most picturesque village“ ein Kunstwerk errichten lassen, die Sneem Pyramid oder „The Way the Fairies went“, um die Magie dieses Ortes zu betonen.

Folgt man dem Ring weiter, stößt man alsbald auf eine kaum sichtbare Hinweistafel, die einen holprigen Weg zum Staigue Fort weist, einer aus dem 3. bis 4. Jahrhundert stammenden Wehranlage. Die Zufahrt und der Zugang sind zwar frei, der Grundherr sieht dennoch eine „Spende“ für das Wegerecht gerne. Hier einen Obulus in Form eines Zwei-Euro Stücks springen zu lassen, ist angebracht.

Weiter führt uns die Straße zum westlichsten Zipfel der Iveragh Halbinsel, Valentia Island. Auf dem Weg dorthin kann man zwischen Caherdaniel und Ballybrack einen Stop für einen Fotopoint einlegen, denn bei Lamb’s Head ist die Sicht auf die Inselchen Scariff und Deenish Island hervorragend. Weiter den Ring entlang stößt man kurze Zeit später auf Ballycarberry Castle, bzw. die Ruine desselben, welches aus dem 13. Jahrhundert stammt.
Valentia Island selbst ist einen Abstecher wert; entweder man fährt die R565 bis Portsmagee oder nimmt, von der anderen Seite kommend, die Fähre nach Knightstown.

Südlich des Ring of Kerry führt die N71 Richtung der Beara Halbinsel. Auf dem Weg dorthin gelangt man an einen der schönsten Plätze des ganzen Countys: Ladies View. Von dort aus hat man einen atemberaubenden Blick auf die Killarney-Seenplatte. Der Name rührt angeblich von der Begeisterung der Hofdamen von Königin Victoria her, die 1861 bei einem Besuch hier rasteten. Wer diesen Blick ins Tal einmal mit eigenen Augen getan hat, kann diese Begeisterung auch nachvollziehen. Fotos können diese Stimmung nur ungenügend einfangen.

Folgt man der N71 weiter nach Süden, landet man in Kenmare. Das Städtchen, das sich in den letzten Jahren glücklicherweise kaum verändert hat, ist bei Touristen recht beliebt, da man hier zentral zwischen den Halbinseln sitzt und von dort aus viele Tagestouren möglich sind. Findet man ein gutes und günstiges B&B, kann man hier mehrere Nächte bleiben und den ganzen Südwesten erkunden. In Kenmare selbst gibt es nur wenig zu sehen. Das Heritage Centre (Eintritt frei) erzählt die Geschichte der Stadt und wer sich als Pfadfinder verdingen will, sollte sich auf die Suche nach der Cromwells Bridge machen (ich selbst hatte sie erst im dritten Anlauf gefunden).