Cahir (An Chathair) / Cashel (Caiseal)

„It’s a long way to Tipperary, it’s a long way to go ...” Wer kennt ihn nicht, den schmissigen Song aus der Zeit des ersten Weltkrieges, den ich noch im Musikunterricht in der Schule trällern mußte. Dabei wurde die Grafschaft Tipperary nur als Zugeständnis an die phonetische Griffigkeit in das Lied eingefügt; die Komponisten benötigten einfach ein viersilbiges Wort, das gut in den Rhythmus passte.

Davon ab ist das County Tipperary, das vom Nordufer des Lough Derg bis hinab nach Clonmel und vom Slievenamuck Mountain bis Carrick-on-Suir reicht ein  Meer an Weidegründen. Grüne und flache Landschaft soweit das Auge reicht. Eine scheinbar endlose Ebene durchzieht das Land. Überall Kühe, Milchlaster, Silos und Traktoren; Tipperary ist das Land der Bauern.

Wir kommen östlich von den Galty Mountains heran und nähern uns der ersten Sehenwürdigkeit: Cahir. Nun gut, die Stadt selbst ist wie viele andere. Daher steuert man beinahe zwangsläufig die zentrale Sehenswürdigkeit an, Cahir Castle. Die zwischen dem 15. und 16. Jahrhundert von den Butlers erbaute Burg steht auf einer Halbinsel des Flusses Suir, aus dem die Bewohner früher ihr Trinkwasser bezogen. Bekannt und berühmt wurde die Burg, wie sollte es in Irland auch anders sein, durch einen Film. Der Streifen „Excalibur“ wurde hier 1981 gedreht und seitdem ist das Castle und die direkte Umgebung touristisch erschlossen. Man kann nun gegen zuletzt 3,- Euro Eintritt sich einer Führung durch die Burg anschliessen oder sich umsonst im angrenzenden Castlepark die Beine vertreten.

Nördlich von Cahir stößt man auf Cashel und auf die einzige Erhebung in weitem Umkreis: der Rock of Cashel. Die beeindruckende Burg wurde im 4. Jahrhundert vom Clan der Eóghanachta, die sich viel später in MacCarthy umbenannten, gegründet und diente knapp 600 Jahre lang den Herrschern von Munster als Königssitz. 1091 wurde „The Rock“ der Kirche vermacht. Im Laufe der Zeit wurde die Burg immer weiter ausgebaut, bis der Felsen 1647 von Cromwell geplündert und gebrandschatzt wurde. Der Kerl war in der Tat für Irland schlimmer als die Pest; die Verwüstungen, die auf sein Konto gehen, sind kaum noch zählbar. 1750 schließlich wurde die Burg aufgegeben, aus einem Grund, der einen kopfschüttelnd zurückläßt und ein deutliches Bild der Kirchenvertreter und ihrer Weltsicht abgibt. Der zuständige Kirchenfürst Price ärgerte sich so sehr darüber, daß er mit seiner neuen Kutsche nicht mehr den Berg hinaufkam, daß man Cashel verließ. Anstatt also seinen faulen Hintern selbst zu bewegen, überließ er den Felsen dem Verfall.

Dennoch hat der Rock of Cashel dem Zahn der Zeit getrotzt und steht nach 1600 Jahren zum großen Teil immer noch, seit einigen Jahren unterstützt durch aufwendige Restaurationsarbeiten. Die zuletzt erhobenen 6,- Euro Eintritt sind gut angelegt und man kann sich entweder einer Führung anschliessen oder auf eigene Faust das Gelände erkunden. Bei einer geführten Tour erfährt man natürlich mehr über die Bauten und ihre Herrscher, sodaß man sich das ruhig mal gönnen sollte.